01.07.2010 17:50 Uhr
Manchmal wird im Ausland ein Produkt verkauft, das es in Deutschland schlicht nicht gibt: Dieser Tage können Kunden in Großbritannien ein iPhone 4 ohne Simlock bestellen – und das deutlich billiger als in deutschen Läden. Netzwelt zeigt, wie sie eigenständige Geräte aus dem Ausland importieren.
Viele Firmen kümern sich um den Technik-Import. Borderlinx etwa wird sogar vom Paketdienst der Deutschen Post, DHL, empfohlen.
Inhaltsverzeichnis
- 1Hersteller versenden nur ins Inland
- 2Borderlinx: Schneller DHL-Versand
- 3Schneller Versand für US-Produkte
- 4International handeln: Fernostasien
- 5Schriften, Standards und Sicherheit
- 6Probleme bei Garantie & Kreditkarte
- 7Besondere heikel: Zoll und Steuern
- 8Zoll selbst anmelden und Ausnahmen
- 9Fazit
Der Euro steckt in der Krise – doch meist hält die europäische Währung einen Wechselkurs zum US-Dollar von über 1,20 Euro. Viele Unternehmen nutzen das günstige Verhältnis, um im Ausland Rohstoffe zur Produktion günstig einzukaufen. Auch Privatleute können von der Schwäche des Dollar profitieren, wenn sie Geräte in den Vereinigten Staaten von Amerika kaufen – oft sind dort besonders Handys und Notebooks deutlich günstiger.
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Nicht jeder Käufer hat aber Bekannte, die von einem US-Aufenthalt ein Gerät mitbringen. In der Praxis scheitert das Einkaufen im Ausland daran, dass die Onlineshops nicht in andere Länder versenden – oft gehen Pakete nur an ausländische US-Militärbasen oder Kanadier. Genau dieses Problem gehen einige Dienstleister an, die Privatleuten eine Postadresse im Ausland beschaffen, die nur für Bestellungen im Netz gedacht ist.
Hersteller versenden nur ins Inland
Gründe gibt es viele für die Einschränkung, dass Onlineshops nur ins Inland versenden. Für viele Länder gelten in den Vereinigten Staaten spezielle Ausfuhrbeschränkungen, auch die Regeln am Zoll des Ziellandes scheuen viele Händler. Zwar können UPS, FedEx und DHL längst problemlos die Logistik der Shopbetreiber anbinden. Deren Online-Software besitzt aber oft kein Modul, um die Versandkosten ins Ausland korrekt zu berechnen.
Eine löbliche Ausnahme bildet hier der weltgrößte Online-Händler Amazon: Der US-Laden bietet Produkte mit internationaler Lieferung an. Diese sind mit dem Hinweis “Available for Shipping to international Destinations” gekennzeichnet. Um etwa eine DVD nach Europa zu senden, berechnet Amazon US nur 3,99 Dollar zusätzlich zum regulären Versandpreis. Auf den anderen Länderseiten, z.B. in Großbritannien, ist der internationale Versand sehr stark reglementiert und nur in wenigen Fällen möglich.
Borderlinx: Schneller DHL-Versand
Einer der bekannteren Mailbox-Dienste im Netz ist Borderlinx, der sowohl US- als auch UK-Adressen seinen Kunden zur Verfügung stellt. Er wird sogar vom Logistiker DHL offiziell auf deren Webseite angepriesen, damit Kunden günstige Wechselkurse nutzen. Bei Borderlinx ist die Anmeldung recht komfortabel: Es kann neben der eigenen Adresse eine separate für die Lieferungen angegeben werden. Geschäftskunden können ihre UmSt-Ident-Nummer an Borderlinx weitergeben, sodass die Versandkosten innerhalb der EU ohne zusätzliche Umsatzsteuer berechnet werden – praktisch, um sich die Rückerstattung zu sparen.
Technik-Import aus dem Ausland « »
Kosten entstehen nur dann, wenn tatsächlich eine Bestellung transportiert wird – es sind keine monatlichen Gebühren für die reine Adresse nötig. Borderlinx versendet alle Pakete mit dem Paketdienst DHL. Sobald ein neues Päckchen für den Kunden eintrifft, berechnet Borderlinx die Versandkosten und leitet es an die deutsche Adresse weiter. Meist geschieht das noch am selben Werktag für alle Pakete, die vor 18 Uhr lokaler Zeit zugestellt werden. Der reguläre Versand nach Deutschland ist in etwa drei bis fünf Tagen am Ziel, Express braucht ein bis zwei Tage weniger Zeit.
Um die genauem Versandkosten zu erfahren, können Kunden auf der Borderlinx-Seite den Rechner verwenden: Nach Eingabe der genauen Maße und Gewicht sowie der Reiseroute erscheinen die exakten Kosten. Borderlinx bietet Kunden auch ein spezielles Tool für eBay an, das Bestellungen von dort an die Heimatadresse weitersendet.
Schneller Versand für US-Produkte
Neben Borderlinx gibt es in den Vereinigten Staaten von Amerika noch eine ganze Reihe kleinerer Dienste, die Adressen für US-Bestellungen anbieten. Bei MyUSABox kann jeder Kunde zwischen einem Angebot ohne monatliche Grundgebühr wählen, für das dann aber fünf Dollar pro Lieferung anfallen. Die Premium-Mailbox schlägt mit 15 US-Dollar im Monat zu Buche, dafür fallen die Paketkosten weg.
Interessant an Dienstleister ist, dass der Versand selbst deutlich günstiger ist – bis zu 60 Prozent. MyUSABox hat mit FedEx und UPS offenbar sehr gute Konditionen für seine Kunden ausgehandelt. Definitiv den höchsten Komfort bietet aber das Unternehmen MyUS aus Florida, das bis auf den ähnlichen Namen mit MyUSABox nichts zu tun hat.
Jeder Kunde kann die Postadresse selbst mit Sendungen befüllen, aber auch den sogenannten Personal Shopper nutzen: Der Kundenservice bestellt dann direkt beim US-Händler und nutzt dafür Wahlweise die eigene Kreditkarte bzw. ein PayPal-Konto. so müssen Kunden sich weder eine virtuelle Kreditkarte zulegen, noch sich am Webshop ein Kundenkonto einrichten – das erledigt alles Personal Shopper von MyUS. Ärgerlich ist, dass vor einer jeden Bestellung das Konto per Guthaben aufgefüllt werden muss – das geht aber sogar mit Banküberweisungen.
International handeln: Fernostasien
Für deutsche Kunden können Angebote in Japan oder Hong Kong auch interessant sein. Für diese Länder gibt es aber deutlich weniger Mailbox-Dienstleister, einige davon haben augenscheinlich auch einen unseriösen Hintergrund. Einen zuverlässigen Dienst betreibt Tenso: Das Unternehmen liefert Bestellungen aus Japan an beliebige Adressen in der EU oder den Vereinigten Staaten.
In der Regel dauert der Versand aber etwa zwei Wochen, so dass Besteller sich sehr gedulden müssen. Tenso zeigt auf einer Unterseite eine Auswahl guter Händler, bei denen Ausländer im Netz ohne Gefahren und mit Hilfe von Tenso Geräte bestellen können. Es fallen keine monatlichen Kosten für die Postadresse an, aber für die Zahlung der Versandkosten akzeptiert Tenso nur Kreditkarte oder PayPal.
Schriften, Standards und Sicherheit
Für Produkte aus Asien ist im Unterschied zu US-Geräten aber Vorsicht geboten, da diese mit anderen Schriftzeichen versehen sind – das kann die Bedienung unmöglich machen. Oft sind auch Anleitungen und Handbücher in der jeweiligen Landessprache verfasst, was nur bei englischen Dokumenten für Deutsche kein Problem sein sollte. Im EU-Ausland gelten auch andere Sicherheitsstandards, was den Test der Produkte angeht – auf das deutsche CE- oder GS-Zeichen müssen Kunden dann oft verzichten.
Schwierig kann der Einsatz der bestellten Ware auch werden, wenn Netzstecker nicht zur Schuko-Steckdose passen. Dann hilft nur ein neues Netzkabel – oder ein ganzes Netzteil, wenn dieses nicht mit wechselnder Spannung zwischen 110V (Vereinigte Staaten) und 220V (Deutschland) zurecht kommt.
Sehr vorbildlich sind die Notebook-Hersteller Dell und Apple: In deren Webshops lassen sich in jedem Land Stecker, Tastaturlayout und Sprache des installierten Betriebssystems unabhängig voneinander auswählen. Im Notfall bekommen Auslands-Besteller aber auch günstige Adapter am Flughafen oder in vielen Baumärkten, um US-/UK-Geräte auf deutsche Norm zu bringen. Dennoch sollte man schon beim Einkaufen genau hinsehen, da diese Zusatzteile natürlich Kosten verursachen und den reizvollen Preisunterschied zum Inland weiter schmälern.
Probleme bei Garantie & Kreditkarte
Wer im Ausland einkauft, kann einige Euro sparen – zahlt dann aber möglicherweise mehr, wenn ein Fehler am Gerät auftaucht. Besonders Elektronik kann schnell Fehler ausweisen, sodass man die Garantie des Herstellers in Anspruch nehmen muss: Dazu wird es oft nötig sein, das Gerät dann zum Händler ins Ausland zurückzusenden.
Viele Notebooks kommen in den USA nur mit einem Jahr Garantie, für die im Inland zwei Jahre gelten. Der Einkauf im Ausland ist in der Regel nur dann möglich, wenn man eine Kreditkarte sein eigen nennt. In vielen Ländern gilt das als allgemeines Zahlungsmittel und ein Pendant zur deutschen EC-Karte fehlt. Wer keine MasterCard oder Vista-Karte besitzt, kann den Service von Wirecard nutzen: Der Dienst gibt für ein virtuelles Bankkonto eine MasterCard-Nummer aus, mit der dann ohne Probleme im Netz eingekauft werden kann.
Eine sinnvolle Alternative zur Kreditkarte ist PayPal: Bietet ein Händler im Ausland dieses als Zahlungsweise an, sollten Käufer auf jeden Fall zugreifen. Waren sind bei PayPal bis zur vollen Höhe mit dem sogenannten Käuferschutz abgesichert, der spätestens nach einer Frist von 45 Tagen nach Zahlung beantragt werden muss. Meist erhält der Kunde den Preis dann recht zügig zurück oder der Verkäufer leistet Ersatz.
Besondere heikel: Zoll und Steuern
Natürlich hält auch der Staat bei Bestellungen im Ausland die Hand auf: Alle Produkte, die eine Grenze von 22 Euro deutschem Warenwert überschreiten, werden mit Zollgebühren in Höhe von bis zu 13,5 Prozent belegt. Der genaue Satz ist abhängig vom jeweiligen Gerät – DVDs schlagen mit dem vollen Satz zu Buche, Digitalkameras dagegen nur mit etwa vier Prozent. Notebooks sowie andere Computer sind ganz von Gebühren befreit.
Neben den Zollgebühren werden zusätzlich noch 19 Prozent an Einfuhrumsatzsteuer fällig. Käufer sollten genau prüfen, ob sich der Kauf im Ausland dann noch lohnt. Viele Händler deklarieren den Wert einer Bestellung beim Paketdienst etwas geringer und hoffen, dass der Zoll das Paket nicht öffnet und den exakten Wert ermittelt.
Dieses Vorgehen ist aber sehr heikel: Entdeckt der Zoll den Schwindel, wird der Besteller angeschrieben und der Zoll behält das Paket zunächst. Es kann nur durch das Nachzahlen der fälligen Gebühren ausgelöst werden – und der gesamte Vorgang dauert gerne mehrere Wochen. Besonders genau schaut sich der Zoll auch PC-Software, Film-DVDs und Spiele an: Diese werden gerne bei Bestellungen aus Asien pauschal beschlagnahmt. In einem aufwändigen Verfahren klären die Behörden dann mit dem Urheber in Deutschland, ob das Produkt auch Originalware ist. Auch das kann mehrere Wochen dauern.
Zoll selbst anmelden und Ausnahmen
Kunden, die im Ausland bestellen, sollten im Netz über die Sendungsverfolgung genau den Status der Bestellung im Blick behalten: Verbleibt ein Päckchen länger als zwei Tage beim Zoll am Flughafen, besteht akute Gefahr einer Nachprüfung – oft kann der Händler dann mit einer Auskunft helfen. Eine persönliche Rücksprache mit dem Zoll ist dann auch ratsam.
DHL und co. zeigen genau an, wenn die Kontrolle erfolgreich passiert wurde. In einigen Fällen scheitert der Versand daran, dass dem Zoll keine Papiere für die Sendung vorliegen – der Händler oder Mailbox-Dienst hat verpasst, diese einzureichen. Der deutsche Zoll nimmt dafür Online die sogenannte Internet-Anmeldung entgegen: Jeder Besteller kann dort seine Produkte selbst deklarieren. Nötig ist nur ein ELSTER-Zertifikat, das auch für die Einkommenssteuererklärung im Netz verwendet wird. Insgesamt zeigt sich das deutsche Zollrecht kompliziert – mit einer einzigen Ausnahme: Es gibt eine Bagatellgrenze für Waren mit einem Wert von weniger als 375 Euro.
Hier gilt eine pauschale Steuer von 13,5 Prozent, die Zollgebühren und Einfuhrumsatzsteuer enthält. Um in den Genuss dieses ermäßigten Satzes zu kommen, muss der Paketinhalt als Geschenk deklariert sein – und das geht nur, wenn die Zollanmeldung selbst vorgenommen wurde. Bei Amazon geht z.B. die Kennzeichnung als Geschenk nicht.
Fazit
Eine Bestellung im Ausland in ungleich komplizierter als in Deutschland: Oft senden Shops nur an Adressen im Inland und akzeptieren ausschließlich Kreditkarten. Es kann passieren, dass Mailbox-Dienste oder deutsche Kreditkartennummern auch erkannt werden, was eine Bestellung unmöglich machen kann. Sind die Hürden der Händler umschifft, drohen noch Probleme mit dem Zoll – hier ist es ein Glücksspiel, ob das eigene Paket genau kontrolliert wird oder unbesehen durch die Kontrolle rutscht.
Trotz aller Widrigkeiten kann der Einkauf im Ausland lohnen, besonders wenn es um Dinge geht, die in Deutschland in genau dieser Form oder Ausstattung überhaupt nicht erhältlich sind. Vorsicht ist dann aber bei Netzstecker und Tastaturen sowie Sprache der Handbücher geboten.
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